5 Arten, wie man als Musiker seine Zeit verbringen sollte

Ganz oft bekomme ich zu hören: „Das ist ein Traumjob! Du hast den ganzen Tag frei und kannst abends machen, was Dir Spaß bereitet!“. Neben der Frage „Kann man denn davon leben?“ ist es wohl der häufigste Gesprächseinstieg bei Konzerten. Ich fange dann immer umständlich an zu erklären, dass der Eindruck täuscht und die Zeit, die ich auf der Bühne verbringen darf, nur einen sehr kleinen Teil meines Berufes ausmacht – und spätestens hier stellen sich viele die Frage „Was macht man denn als Musiker den ganzen Tag lang?“

Nun ja, die Verlockung ist groß: Man könnte bis mittags schlafen, den Nachmittag über faulenzen und abends dann in der Kneipe mit Freunden abhängen. Jeden Tag, bis zum nächsten Gig. Jedenfalls, bis das Bankkonto leer ist. So stellt sich Otto Normalzuhörer ganz offensichtlich mein Leben vor. Tatsächlich aber versuche ich täglich, meine „Freizeit“ mit sinnvollen Tätigkeiten zu füllen die mich als Musiker weiterbringen. Hier ein paar Beispiele:

Büroarbeit:

  • Morgens (nicht mittags) setzt Du Dich vor Deinen Rechner und rufst Deine eMails ab. Anfragen beantwortest Du sofort. Das gilt auch für alle Social-Media-Konten und Deine Handymailbox. Du machst Dir Notizen und legst Dir eine To-Do-Liste an.
  • Du guckst auf Deine Webseite und in Deinen Shop, ob offene Bestellungen oder Anfragen abzuarbeiten sind. Hast Du noch Versandtaschen für CDs?
  • Du wirfst einen Blick auf Deine Buchhaltung. Sind alle Belege für Einnahmen und Ausgaben abgeheftet? Sind die Gagen der letzten Konzerte schon überwiesen?

Booking:

  • Nicht jeder hat das Glück, dass ihm die Gigs zufliegen. Du recherchierst Konzertveranstalter, Spielorte und neue Möglichkeiten Dich zu präsentieren.
  • Du planst langfristig: Für den Gig in 8 Monaten – kann ich vielleicht den Fahrtweg halbieren, indem ich einen Tag vorher oder nachher in der Gegend spiele? Habe ich Musikerkollegen, die mich empfehlen können?
  • Wo spielen Bands, die mit meiner Gruppe ein Publikum teilen könnten? Kann ich vielleicht jemanden supporten?

Organisation:

  • Klingt banal, aber: Du versuchst Dein Equipment in Ordnung zu halten. Funktioniert der Amp? Die Anlage? Hast Du noch Gitarrensaiten oder solltest Du welche nachbestellen? Dieses XLR-Kabel mit dem Wackelkontakt, der nur gaaanz selten auftritt, hast Du einen Ersatz dafür?
  • Hast Du einen Überblick über Deine Verpflichtungen und Aufgaben? Nutzt Du dafür vielleicht so eine App wie Trello?
  • Du hast ein Programm. Du spielst es 100 mal im Jahr. Wann ist das letzte Mal ein neuer Song hinzugekommen? Vielleicht wird es Zeit, die Hälfte der Songs einzumotten…
  • Wann hast Du das letzte Mal geübt? Ganz ehrlich? Lerne – oder besser noch: Schreibe einen neuen Song.

Kooperation:

  • Du triffst in Deinem Leben oft auf interessante Leute, die gerne mit Dir arbeiten würden. Der Spruch „Wir sollten mal was zusammen machen“ ist zwischen Musikern ein gerne gesagter – Du solltest danach handeln. Suche die gesammelten Visitenkarten aus dem Gitarrenkoffer und triff Dich zum Musizieren mit Kollegen.
  • Wenn Du selbst keine Ideen für Neues hast, finde Leute mit kreativen Gedanken aber zwei linken Händen – symbolisch gesprochen.
  • Lasse Dich auf neue Genres ein und arbeite mit Musikern, die Dinge besser können als Du. Lerne von Ihnen.

Fleißarbeit:

  • Zu den ganzen schon genannten Dingen, die man als Musiker sinnvollerweise in seiner Zeit tun kann, gibt es noch Aktivitäten die ich gerne als Fleißarbeit bezeichnen möchte. Es geht auch ohne, aber hier kannst Du Deiner Kreativität freien Lauf lassen:
  • Ein Video machen. Die Leute lieben es, Dich auf YouTube sehen zu können!
  • Merchandise designen: Ein T-Shirt mit Deinem Namen drauf ist prima, selbst wenn nur Du es trägst!
  • Du hast den Keller voll mit alten CDs deiner ersten Band, die schon lange nicht mehr existiert? Verschenke sie beim Gig. Oder veranstalte ein Gewinnspiel.
  • Alte Live – Aufnahmen? Sind meist eine peinliche Angelegenheit für Musiker. Die Fans lieben es aber – suche die alten Kassettenrecorder – Mitschnitte aus der Umzugskiste und veröffentliche sie. Oder nimm alte Songs neu auf.

Ich sehe das jetzt mal als kleine To-Do-Liste. Mein Programm ist in den letzten Wochen um 30 neue und alte Songs angewachsen, eine Kooperation mit dem Kollegen Morgan Finlay ist im Entstehen und ich habe eine unsäglich grauenvolle Aufnahme vom ersten Auftritt meiner ersten Band gefunden, die ich überarbeiten will.

Auch wenn der November nicht gerade der Monat mit den meisten Bühnenauftritten ist, habe ich doch gut zu tun – und Spaß habe ich trotzdem an meinem Job.

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